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Erfahrungsberichte aus dem Freiwilligendienst

Peter, in Bolivien
Sven, in Thailand, 2012/2013
Rico, in Mexico, 2011

Peter, in Bolivien

"Gerne schreib ich euch auch ein paar Zeilen zu meiner Auslandserfahrung, allerdings habe ich mich in Bolivien nicht geoutet und sehr wenig Kontakt zu lokalen Schwulen gehabt. Einerseits galt das für mich als Schutzmechanismus um eventuelle Probleme zu vermeiden und mich "anzupassen". Natürlich war ich noch ich selbst und habe mich in meiner Art nicht verstellt, womit ich auch überall  immer sehr gut aufgenommen worden bin. Soweit ich das aus Erzählungen hören konnte, waren viele theoretisch recht offen, jedoch sobald es zur realen Konfrontation mit Homosexualität kommt, waren alle sehr ängstlich und wussten nicht mal wirklich was Schwulsein jetzt bedeutet. Mein Gastbruder, der einen Monat nach meiner Ankunft nach Deutschland gegangen ist, hat mich mal gefragt, wie das in Deutschland mit Schwulen ist, ob es viele gibt und so. Das klang einerseits recht ängstlich aber andererseits auch interessiert. Er sagte mir auch, dass er selber noch nie einen Schwulen kennengelernt oder gesehen habe.

Die überwiegende Präsenz herrscht leider nur nachts auf der Straße durch Transsexuelle oder Dragqueens die sich prostituieren. Es gibt wohl ein paar Schwulenbars und ich habe auch von einer deutschen Freundin gehört, dass sie dort gewesen ist und einige Leute kennengelernt hat.

Auf der Straße im normalen Alltag stößt man selten auf Schwule, meist sind es Touristen, die man trifft oder sehr feminine Typen, die natürlich auffallen.

Leider kann ich nicht allzu viel Detailliertes erzählen, da ich selber kaum persönlichen Erfahrungen gemacht habe. Schon in Deutschland vor meiner Abreise habe ich mir gesagt, dass ich meine Sexualität in Bolivien eher nicht ausleben möchte, um möglichen Negativerfahrungen, die vermutlich noch extremer als in Deutschland gewesen wären, aus dem Weg zu gehen. Damit konnte ich auch sehr gut leben und würde nicht behaupten, dass ich dadurch was verpasst habe oder dass es ein Fehler war."

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Sven, Teacher Assistant in Thailand, 2012/2013

1. Wann und wo warst du im Ausland?

2012/13 mit dem IJFD als Teacher Assistant in Thailand.

2. Wusstest du schon bei deiner Bewerbung, dass du bi-, trans- oder homosexuell bist?

Ich wusste schon weit vor meiner Bewerbung, dass ich homosexuell bin.

3. War deine sexuelle Orientierung oder sexuelle Identität während deines Aufenthalts ein Thema für dich?

Nur insofern, als dass ich es vor den Thailändern aus vielerlei Gründen geheim halten wollte:

1.) AFS Thailand hat (vorsichtig formuliert) eine sehr zweifelhafte Einstellung zur Homosexualität. Uns wurde beispielsweise erklärt, dass homosexuelle Paare keine Gastschüler aufnehmen dürfen, um die Schüler vor Gefahr (in Form von sexuellen Übergriffen) zu schützen.

2.) Während es zumindest in Südthailand gemeinhin akzeptiert wird, falls man ein Ladyboy sein sollte, hört diese Toleranz bei Homosexualität auf. Zusätzlich sind Thailänder recht klischeebehaftet und voller Vorurteile. Ich wollte einfach nicht in eine Schublade gepackt werden.

3.) Als Ausländer fühlt man sich in einer Stadt, in welcher die meisten Menschen noch nie mit einem Ausländer gesprochen haben, sowieso schon wie ein Superstar, welcher auf Schritt und Tritt beobachtet wird. Man steht im Fokus der Aufmerksamkeit aller. So war meinen Schülern bekannt, was ich zum Frühstück aß und schlief ich im Bus ein, wurde ich fotografiert. Auf der Straße war es völlig normal, mich anzustarren und so weiter und so fort. Sich unter solchen Umständen zu outen, wollte ich mir nicht antun und noch mehr Aufmerksamkeit als mir sowieso schon zuteil wurde, konnte und wollte ich mir nur schwerlichst vorstellen, geschweige denn erleben.

4. Falls du ein Coming-Out hattest: Wie waren die Reaktionen deiner Umwelt (Gastfamilie, Freundeskreis, AFS-Leute, -Betreuende, Schule bzw. Projekt)

Ein wirkliches Coming-Out hatte ich nicht, da ich davon sowieso nichts halte.

Nicht-asiatischen Freunden und den anderen FSJlern aus Deutschland war ich allerdings ehrlich und offen gegenüber, sodass sie es wussten und auch kein Problem damit hatten.

Zusätzlich habe ich es einem thailändischen Freund erzählt, welcher es zuerst nicht glauben wollte, da ich weder wie ein Mädchen rede oder hysterisch rumkreische, mich mitnichten an alles und jeden ranschmeiße und auch keineswegs mit abgeknickten Händen durch die Gegend stolziere und über Ponys und Glitzerhandtaschen philosophiere. Zu einem späteren Zeitpunkt gestand er mir, dass er Homosexualität abstoßend findet und er zu der Erkenntnis gekommen ist, dass ich die einzige positive Ausnahme bin, welche ihm je untergekommen ist.

5. Wie hat dein Umfeld in deinem Heimatland reagiert?

Ein Großteil meines Umfeldes im Heimatland wusste schon vor meinem Auslandsaufenthalt Bescheid und es gab keine negativen Rückmeldungen.

6. Was hat dir geholfen? Was hättest du dir gewünscht?

Geholfen hat mir die Erkenntnis, dass ich in einem Land (bzw. in einer Region: Mittel/West-Europa) aufwachsen durfte, in welchem es bedeutend einfacher ist als Homosexueller zu leben und dass wir Deutsche im Vergleich zu den meisten Menschen anderer Nationalitäten (wenngleich sich die Deutschen das selbst nie eingestehen könnten), ziemlich vorurteilsfrei und tolerant sind.

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Rico, in Mexico 2011

"Als ich Ende 2010 von AFS für das weltwärts-Programm angenommen wurde, war ich vergeben - an einen Jungen. Für mich spielt es eine eher untergeordnete Rolle, dass unsere Beziehung das Auslandsjahr nicht überstand. Andererseits war mein sozusagen drittes Coming-Out in einer zentralmexikanischen Kleinstadt hochinteressant. Meiner Gastfamilie erzählte ich es nach gut zwei Monaten, sie schienen kein Problem damit zu haben, auch wenn insbesondere zum Ende meines Aufenthaltes Probleme auftauchten. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nämlich einen mexikanischen novio und wollte natürlich Zeit mit ihm verbringen. Plötzlich begann meine Gastmutter, heterosexuelle mit homosexuellen Beziehungen zu vergleichen und mir aufzuzeigen, warum es schlecht sei, wenn ich ihn jetzt treffen würde und dass sie anders denken würde, wäre ich mit einem Mädchen zusammen. Abgesehen davon hatte ich keinerlei Probleme während meines einjährigen Auslandsaufenthaltes, habe "gleichgesinnte" Freunde gefunden, mich aber auch mit meinen Kollegen, Bekannten, Gastverwandten und Schülern sehr gut verstanden und versucht, ihren Horizont diesbezüglich langfristig zu erweitern!"

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Weitere Erfahrungsberichte

aus den Bereichen "Schulaustausch Sending" oder "Schulaustausch Hosting".