Sofie

Brasilien 2015/16 | Schulprogramm

Ja, ich wusste schon bei meiner Bewerbung, dass ich definitiv homosexuell bin. Das Auslandsjahr sah ich auch als Möglichkeit an, mein Coming-out zu haben und allen genügend Zeit zu geben, das zu akzeptieren (die Zeit brauchte es jedoch nicht). Meine sexuelle Orientierung ist definitiv ein Thema. Ich habe hier eine Beziehung mit einem Mädchen und wir zeigen auch offen, dass wir lesbisch sind.

Mein Coming-out war vollkommen problemlos. Etwa vier Wochen nachdem meine Beziehung begann, beschloss ich, das meinen Gasteltern zu erzählen. Vorher sprach ich mit meiner Betreuerin/Kontaktperson über meine Sorgen (Intoleranz etc.) und auch darüber, dass ich die Familie wechseln möchte, wenn ich nicht als das akzeptiert werde, was ich bin. Sie sicherte mir zu, dass ich das dann definitiv könne. Glücklicherweise hat meine Gastfamilie sehr gut reagiert und wir verreisen auch mit meiner Freundin! Sie ist sozusagen ein Teil der Familie. Meine ganze Gastfamilie (inklusive Tanten etc.) ist sehr religiös und ich wurde auch gefragt, wie ich denn leben könne, ohne an Gott zu glauben, aber für keinen ist es ein Problem, dass ich lesbisch bin. Jeden Tag erkundigen sich auch alle über meine Freundin.

Meine Freunde und Leute in der Schule sind mit die Ersten, die davon wussten, da wir in der Schule (zu Beginn bloß im Klassenraum) offen damit umgegangen sind. Bis auf ein paar Leute hat damit niemand ein Problem. Das intoleranteste, was ich jedoch gehört habe, war von einem Mitarbeiter meiner Schule, der zu dem Vater einer Freundin sagte: „Lass dein Kind doch nicht mit den Lesben rumlaufen! Das ist fürchterlich!“. Und ein paar andere Mitarbeiter scheinen das auch nicht zu akzeptieren, aber der Großteil tut es. Wie schon erwähnt, unterstützt mich mein AFS-Chapter dabei. Brasilien ist, aus meiner Sicht, sehr tolerant und ich habe auch das Gefühl, dass hier viel mehr Menschen offen schwul/lesbisch/Mitglieder der LGBT-Community sind, als in Deutschland!

Mein Umfeld in meinem Heimatland wusste schon was (nicht, weil ich es erzählt habe, sondern weil ich ziemlich dem Klischee entspreche), jedoch habe ich mich endgültig erst über Facebook bei dem Rest meiner Familie durch ein Foto geoutet. Meine Freunde und meine Mutter wussten schon davon. Es gab bis jetzt nur positive Reaktionen, auch mein Umfeld in Deutschland erkundigt sich nach meiner Freundin und meine Mutter schickt ihr Geschenke!

Alles in einem sind beide meiner Umfelder (Brasilien und Deutschland) sehr tolerant und glücklich.


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